Der Einzug von Drohnen in den Stadtraum schreitet voran. Ob effiziente Datengewinnung oder automatisierter Warentransport – immer mehr Behörden und Unternehmen nutzen die Möglichkeiten, die der technische Fortschritt und der rechtliche Rahmen ermöglichen.

Für unser Zusammenleben bringt das Vorteile, aber auch Risiken. Verkehrsfolgen wie Unfälle und Lärm, dubiose Geschäftsmodelle aus der Überwachung öffentlicher Räume oder staatliche Eingriffe in Freiheitsrechte machen den Raum über unseren Köpfen politisch.

Rund 50 Gäste besuchten das zweite Luftraum Stadt Symposium.

Um ein Forum für die Diskussion über diese und andere Themen zu schaffen, wurde am 06.04.2026 auf dem Berliner Ernst-Reuter-Platz die Symposiumreihe Luftraum Stadt fortgesetzt.

Unter dem Titel Stadt unter Drohnen diskutierten im dortigen Bauhaus Reuse (BHROX) acht Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft im Rahmen zweier Podiumsdiskussionen über die zentralen Zukunftsthemen Logistik und Sensorik.

In der ersten Session des Abends, moderiert von Simon Wöhr (Urban Tactics/ TU Berlin), standen die Potenziale und Herausforderungen von Logistikdrohnen im urbanen Raum im Fokus. Als Diskutant:innen geladen waren Dr. Bianca Schuardt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Tim Fischer (CEO von DiAvEn/Labfly), der Flughafenarchitekt Dipl.-Ing. Olaf Bünck (AirSight GmbH) sowie Dr. Julius Menge von der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

Simon Wöhr, TU Berlin. Moderator und Mitinitiator von Luftraum Stadt.
Tim Fischer, (CEO Labfly) treibt die strategische Entwicklung des Unternehmens im Bereich der medizinischen Drohnenlogistik voran.

Aus Sicht der Wirtschaft berichtete Tim Fischer eingangs über den bereits aktiven Betrieb seiner Lieferdrohnen in Deutschland. Sein Unternehmen transportiere medizinische Güter wie Laborproben auf täglicher Basis, unter anderem in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Als Ausgründung aus der TU Berlin 2019 seien mehrere Jahre vergangen, bis alle Zertifizierungen und Tests abgeschlossen wurden, um auch im urbanen Raum fliegen zu dürfen. Als Berliner Unternehmen warb er damit für die Potenziale und die vermeintliche Marktreife des zivilen Drohnensektors im Jahr 2026.

Einem wirklichen Verkehr durch kleinere Drohnen, Schwerlastdrohnen und auch durch die medial viel bedachten Flugtaxis stünden hingegen noch erhebliche Hürden gegenüber. Sowohl Frau Dr. Schuchardt als auch Herr Bünck merkten an, dass es generell im Bundesgebiet noch an den passenden Infrastrukturen mangle. Diese habe sich historisch betrachtet jedoch stets parallel zur Technologie entwickelt, zeigte sich Dr. Bianca Schuardt optimistisch. Als Beispiele nannte sie den Straßenbau nach der Erfindung des Automobils oder die Entstehung von Großflughäfen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie selbst arbeite mit ihrem Team an digitalen Verkehrsleitsystemen für den unteren Luftraum, sogenannten U-Spaces.

Dr. Bianca Isabella Schuchardt, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), widmet sich als Wissenschaftlerin der Erforschung von unbemannten Luftfahrtsystemen und Urban Air Mobility, insbesondere im Hinblick auf Flugführungskonzepte.
Olaf Bünck (AirSight GmbH) verbindet seine Erfahrung im Designbereich mit der strategischen Entwicklung von modernen Vertiport-Konzepten.

Olaf Bünck verwies in diesem Sinne auf die Notwendigkeit von verkehrlich integrierten Stadt- und Landeplätzen, sogenannten Vertiports. Es bestünde ein Defizit bei einer vorausschauenden, die Entwicklung antizipierenden (Berliner) Stadtplanung. Konkret brachte er die Nachnutzung der ehemaligen Flughäfen Tegel und Tempelhof als potenzielle Knotenpunkte ins Spiel.

Inwiefern es diese Bedarfe nach Drohnenlogistik wirklich gebe, war hingegen eine zentrale Frage von Dr. Julius Menge. Er betonte, dass für seine Verwaltung entscheidend sei, ob und wie der Technologieeinsatz den städtischen Verkehr entlaste und der Bevölkerung einen echten Mehrwert biete. Flüge zur reinen Technologieerprobung halte er im städtischen Raum für unverantwortlich. Menge sprach sich daher gegen eine Deregulierung des Berliner Luftraums aus und plädiere stattdessen für eine klare Formulierung von Bedarfen.

Was bremst nun die Branche? Bedenken in den Zielmärkten, der Verwaltung und der Bevölkerung oder ein Ressourceneinsatz vorbei an den Bedarfen? Klar wurde, es braucht noch mehr Austausch zwischen den Berufswelten, um gemeinsamen Zielbildern näher zu kommen.

Dr. Julius Menge, Abteilung Mobilität in der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.
Raum für Fragen und Grund zum Mitschreiben: Die Beiträge sorgten für angeregte Diskussionen bei den Besucher:innen.
Dr. Tobias Biehle, TU Berlin. Moderator und Mitinitiator von Luftraum Stadt.

In der zweiten Session des Abends, moderiert von Dr. Tobias Biehle (Luftlabor/ TU Berlin), standen Drohnen als Sensormedium im Fokus. Als Speaker:innen geladen waren Nadine-Christine Wessel (Netzwerkmanagerin von RAIL BB e.V.), Dr. Klaus Scho (CEO, Germandrones GmbH), Killian Vieth-Ditlmann von der Bürgerrechtsorganisation AlgorithmWatch e.V. sowie Jannis von Lüde vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer Hamburg (LSBG).

Letzterer berichtete zu Beginn über die Praxis in Hamburg. Nach Jahren des Kompetenzaufbaus im Flugbetrieb und der Datenauswertung habe sich seine Organisation inzwischen zu einer Art Dienstleister entwickelt. Neben der Kontrolle und Instandhaltung von Brücken oder Spundwänden würden beispielsweise auch das Stadtplanungsamt, die Umweltbehörde oder private Unternehmen regelmäßig aktuelle Daten nachfragen, die sein Team per Drohne liefere.

Jannis von Lüde, (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer Hamburg) verantwortet als Projektmanager und Drohnenpilot die Inspektion städtischer Infrastrukturen mittels Drohnen.
Hochmobile Drohnen eignen sich für die Überwachung von Infrastruktur, Verkehr und Mensch. Was ist erwünscht, wo ziehen wir Grenzen?

Maßgeblich für die Arbeit mit Drohnen seien dabei die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung. So sei die Software der eingesetzten Drohnen geprüft. Mittels KI würden gesammelten Daten auf deutschen Servern so bereinigt, dass weder Privatgrundstücke noch Personen erkennbar seien, bevor eine Weiterverarbeitung freigegeben werde.

Das bei Einsätzen im Straßenraum aber stets mehr Daten erfasst und gespeichert werden, als notwendig sind, war ein berechtigter Einwand aus dem Publikum, der im Podium half, die Grauzonen zwischen Praxis und Datenschutz zu illustrieren.

Durch Killian Vieth-Ditlmann kamen neben der Pflicht zur Datensparsamkeit und dem Schutz personenbezogener Daten noch weitere Grund- und Freiheitsrechte zur Sprache, die in einem Spannungsverhältnis zum kommerziellen und behördlichen Einsatz von Drohnen stehen können. So sei es klar bewiesen, dass beispielsweise die Überwachung von Demonstrationen durch die Polizei abschreckend auf Teilnehmende wirke, ihre Rechte auf Versammlungsfreiheit oder das Recht auf freie Meinungsäußerung zu nutzen. Ziel seiner Organisation sei es daher, die Verhältnismäßigkeit von Überwachungmaßnahmen kritisch zu prüfen, gleich ob die Kamera am Laternenmast oder an einer Drohne befestigt sei.

Killian Vieth-Ditlmann (AlgorithmWatch e.V.), beschäftigte sich mit digitalen Technologien im Spannungsverhältnis von Überwachung und Demokratie.
Atmosphärisch, gemütlich, mit viel Branchenkenntnis im Innenraum: Das Bauhaus Reuse auf dem Ernst-Reuter-Platz.

Neben diesen Fällen mit schwerwiegenden Abwägungsbedarfen wurden im Laufe der Diskussion zahlreiche niedrigschwellige Beispiele vorgebracht, bei denen hiesige Unternehmen, vom Dachdecker bis zum Forstmeister, heute bereits erfolgreich mit Drohnen wirtschaften würden.

Entscheidend für die Marktdurchdringung sei am Ende das Geschäftsmodell, das sich durch zunehmende Prozessautomatisierung im Betrieb der Drohnen bis in die Datenerfassung und -Auswertung positiv entwickle. Hier spiele auch das Thema Daten- und Technologiesouveränität eine Rolle.

Gefragt nach der Zukunft formulierte Dr. Klaus Scho eine Vision, mit der er auch ursprünglich sein Unternehmen gegründet habe. Zwar beliefere Germandrones aktuell vor allem die Ukraine. Er sei sich jedoch sicher, dass auch die Überwachung und Wartung von kritischen Infrastrukturen wie Gasleitungen und Stromtrassen in den kommenden Jahren vollständig von Drohnendienstleistern übernommen werden würde.

Dr. Klaus Scho (2.v.l.) ist CEO von Germandrones GmbH und seit 2016 als Investor und Unternehmer in der Drohnenbranche tätig.
Nadine-Christine Wessel (Railway Areas Innovation Lab Berlin-Brandenburg e.V. ) arbeitet an Innovationsökosystemen im Bahn-Sektor.

Nach Einschätzung von Nadine-Christine Wessel spielen Drohnen auch bei der Automatisierung des Güterverkehrs auf der Schiene eine wachsende Rolle. Spannend wie kritisch zu beobachten sei in all diesen Entwicklungen, wie die Verfügbarkeit von komplexen Sensordaten samt ihrer zunehmend KI-gestützten Auswertung die Arbeitsrealität am Boden verändere. Mit Blick auf die Schiene und den Zugverkehr verlassen sich Mitarbeitende zunehmend auf das, was ihnen heute digital zugeliefert werde. Wo früher beispielsweise die Radprüfung von Güterwagons noch mit fachlichem Blick erfolgte, gehe hier der Mensch als Kontroll- und Rückfallinstanz zunehmend verloren.

Insgesamt wurde beim Thema Datensammlung mit Drohnen damit vor allem die Komplexität und gesellschaftliche Tragweite des Themas deutlich.

Aus Sicht der Veranstalter war die Fortsetzung von Luftraum Stadt ein Erfolg, was Inhalte, Diskussionskultur und Interesse betraf. Die Impulse, Themen und Kommentare der Besucher:innen an den Arbeitswänden wurden sehr gut angenommen.

Im Folgenden gilt es, die gewonnenen Einblicke, Potenziale und Spannungslinien in der Tiefe zu diskutieren, inwiefern daraus eine erste Orientierung hinsichtlich der Frage abgeleitet werden kann, nach welchen Maßstäben der Himmel über Berlin künftig genutzt werden soll. Wir freuen uns also auf die dritte und vorerst letzte Veranstaltung der Reihe. Vielen Dank für Ihr Interesse!

Berlin, den 04.06.2026

Vor allem das zweite Podium dauerte länger als eigentlich veranschlagt. Da aber die Inhalte interessant waren, gab es keinerlei Beschwerden…

Für die Anmeldung zu den kommenden Veranstaltungen am 18. Juni nutzen Sie bitte den Link über den Drittanbieter Eventbrite: https://www.eventbrite.de/o/121232153996