Der Einzug von Drohnen in den Stadtraum schreitet voran. Ob effiziente Datengewinnung oder automatisierter Warentransport – immer mehr Behörden und Unternehmen nutzen die Möglichkeiten, die der technische Fortschritt und der rechtliche Rahmen ermöglichen. Für unser Zusammenleben bringt das Vorteile, aber auch Risiken. Verkehrsfolgen wie Unfälle und Lärm, dubiose Geschäftsmodelle aus der Überwachung öffentlicher Räume oder staatliche Eingriffe in Freiheitsrechte machen den Raum über unseren Köpfen politisch.

Am 18.06.2026 fand im Bauhaus Reuse (BHROX) auf dem Berliner Ernst-Reuter-Platz die abschließende Veranstaltung der dreiteiligen Symposiumreihe Luftraum Stadt statt. Unter dem Titel „Die Berliner Luft“ widmete sich der Abend der Suche nach ersten gemeinsamen Leit- und Zielbildern davon, wie sich die Zivilbevölkerung, vertreten duch rund 30 Bürger:innen und Expert:innen, die Zukunft des Berliner Luftraums vorstellen. Gastgebend war erneut das Team der TU Berlin um Dr. Tobias Biehle, Simon Wöhr und Gideon Nebelsick.

Den Auftakt bildete ein Rückblick von Dr. Tobias Biehle und Simon Wöhr, die die Mitnahmen, Spannungslinien und Lösungsansätze aus den bisherigen Symposien „Vom Fliegen und Fliehen“ und „Stadt unter Drohnen“ noch einmal aus ihrem Blick zusammenfassten. Anschließend wechselte das Format: Anstelle der bisherigen Podiumsdiskussionen trat der Austausch untereinander in den Vordergrund. An drei thematischen Tischen arbeiteten die Teilnehmer:innen gemäß dem World-Café-Format in wechselnden Gruppen an Positionen, Sorgen und Visionen.

Am ersten Tisch, moderiert von Simon Wöhr, stand die urbane Logistik und Verkehrsleitplanung im Mittelpunkt. Grundsätzlich solle die Einführung von Drohnen einen intensiven Wissensaustausch zwischen Reallaboren, Herstellern, der Luftfahrtbehörde und dem Land Berlin zur Grundlage haben. Diese Strukturen gelte es zu schaffen. Stadtplanung solle nicht mehr nur in ‚Quadratmetern‘, sondern in ‚Kubikmetern‘ denken. Um Potenziale zu testen, wurde sich dafür eingesetzt, im Rahmen von Reallaboren wie U-Space Berlin oder ELEVATE ausreichend experimentelle Freiräume ohne vorschnelle Überregulierung zu gewähren.

Weitere Diskussionsstränge betrafen die verkehrlich-planerische Ebene. Als gemeinsame Wertehaltung – unabhängig von bestehenden Systemlogiken oder Zielkonflikten – bestand Konsens, dass eine echte Entlastung von Verkehren auf der Straße in die Luft das anzustrebende Ziel sein müsse. Auch erhielten Beiträge unter den Teilnehmenden zuspruch, dass Flugkorridore eine Konzentration von Verkehrsfolgen für die Stadt und die Stadtgesellschaft im Rahmen halten sollten. Gemeinsam getragen wurde die Forderung, dass die Ausweisung solcher Flugkorridore unter aktiver Beteiligung der Berliner Bevölkerung erfolgen müsse.

Der zweite Tisch, betreut von Dr. Tobias Biehle, widmete sich schwerpunktmäßig der vielseitigen Datenerfassung durch Drohnen sowie den Themen Sicherheit und Kontrolle. Eine sich abzeichnende, wahrscheinlich gesetzlich zu klärende Konfliktlinie sei das Bestreben von Drohnenbetreibern nach einem privaten Einsatz von UAS bzw. dem Schutz sensibler Informationen gegenüber dem Wunsch der Öffentlichkeit nach Transparenz bezüglich der verantwortlichen Stelle und des Einsatzzwecks. Des Weiteren stand eine Vertrauensfrage im Raum. Die fehlende Transparenz darüber, welche Daten überhaupt erhoben, wie sie verarbeitet und wofür sie genutzt werden, gepaart mit einer drohenden Überforderung der Kontrollbehörden, potenzielle Verstöße gegen die DSGVO oder Straftaten mangels Kapazitäten aufzuklären, würde Missbrauch ermöglichen.

Als Lösungsansatz wurde beispielsweise die Schaffung einer neutralen Instanz diskutiert, bei der Betreiber entsprechende Daten hinterlegen müssen und Zivilgesellschaft und Bürger:innen bei berechtigtem Interesse zeitnah Auskunft und Einblick in Betriebsdaten erhalten, um Auskunft einholen und ggf. die Richtigkeit der hinterlegten Angaben Daten infrage stellen zu können. Zudem solle der Berliner Senat Auflagen definieren, wie die Stadtgesellschaft vom Einsatz kommerzieller Drohnen profitieren könne – beispielsweise durch Abgaben oder Betriebsauflagen, dass gewonnene Daten auch der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt werden müssen.

An Tisch 3, geleitet von Gideon Nebelsick, trat die Fachdebatte für einen Moment in den Hintergrund, um Raum für die Wünsche, Sorgen und ganz persönlichen Alltagsvisionen auf das Jahr 2036 zu schaffen. Anstatt fertige Konzepte zu bewerten, waren die Gäste eingeladen, zehn Jahre in die Zukunft zu blicken und über eigene Kurzgeschichten, Zeichnungen oder das Kartieren von Räumen emotionale Zugänge zu den Fragen zu finden: Wie verändern Drohnen mein eigenes Erleben in der Stadt? Was begeistert, was verunsichert oder stresst mich im Alltag? Dieser Ansatz zielte bewusst darauf ab, die blinden Flecken rationaler Argumente aufzudecken und zu verstehen, was die Anwesenden persönlich bewegt. Bildimpulse – von faszinierenden Drohnenshows über medizinische Eilboten bis hin zu Aufnahmen von Polizeidrohnen und Militärtechnik – dienten dabei als Inspiration.

In den Beiträgen spiegelte sich in den Geschichten, Skizzen und eingezeichneten Karten der tiefsitzende Wunsch wider, dass der Raum über unseren Köpfen nicht zu einem Ort des Stresses wird. Die Teilnehmer:innen verarbeiteten die Sorge vor einer Überforderung der Sinne durch ständigen Lärm oder visuelle Reize. Um dem etwas entgegenzusetzen, zeichneten viele Gäste fiktive Flugrouten und Korridore auf die Karten ein: Eine Metapher dafür, dass Drohnen keinesfalls wild über dem Stadtgebiet kreisen, sondern räumlich begrenzt und im Stadtbild möglichst unsichtbar bleiben sollten.

Auffallend war auch, dass die Vision vom fliegenden Auto kaum positiven Nährboden fand; Flugtaxis wurden vielmehr mit Lärm und hohen Kosten assoziiert. Stattdessen richteten sich die Blicke darauf, in welchen Situationen Drohnentechnologie einen nützlichen Beitrag im Alltag oder zum Gemeinwohl leisten könnte – etwa als Unterstützung für Notfallrettung und Feuerwehr, beim Schutz von Naturräumen oder durch den Einsatz im ländlichen Raum zur Stärkung regionaler Versorgungsstrukturen.

Zum Abschluss des Abends verdichteten sich die fachlichen Gespräche und die privaten Anekdoten in einer gemeinsamen Synthese. Nach zwei Stunden neuer Perspektiven und intensiven Abwägens waren die Gäste aufgefordert, auf vorbereiteten Bögen ihre persönlichen Leitgedanken zu vervollständigen. Satzanfänge wie „Ich würde mir wünschen, dass…“, „Was für mich gar nicht geht, wäre wenn…“ oder „Mehr Aufmerksamkeit braucht auf jeden Fall…“ dienten als Brücke, um die durch den Prozess qualifizierten Meinung in klare Worte zu fassen.

Nacheinander traten die Anwesenden vor die versammelte Runde, um ihre Sätze vorzulesen – getragen von einem Raum voller Aufmerksamkeit, in dem manche Beiträge schweigend nickend angenommen, andere spontan kommentiert oder weitergedacht wurden. Aus diesem gemeinsamen Prozess wuchsen die Konturen eines ersten, von Vertreter:innen der Zivilgesellschaft geprägten Prinzipienkatalogs für die Berliner Luft.

Gefordert wurden beispielsweise Sicherheitsauflagen analog zum Straßenverkehr wie einen wiederkehrenden Drohnen-TÜV, ein konsequenter Schutz der Privatsphäre und Wohnung, aber ebenso eine Debattenkultur im Drohnensektor, die nicht länger rein technokratisch oder männerdominiert geprägt ist. Der Blick weitete sich für das Zusammenleben im Stadtraum – von der Rücksichtnahme auf sensible Ökosysteme und das Wohl von Haustieren bis hin zur klaren Haltung, dass Drohnen dem Gemeinwohl, dem Rettungswesen und dem Umweltschutz dienen müssen, statt neuen Lärm, Stress oder militärische Überwachungslogiken in den Alltag zu tragen.

Die Abschlussrunde war damit einerseits ein Ausdruck dessen, was in den vergangenen Sessions inhaltlich verstanden und gelernt wurde, bezeugte andererseits aber auch, wie viel Umsicht und Gestaltungswille in vielen Menschen steckt, wenn man einen Raum anbietet, gemeinsam über Zukunftsfragen wie die des unteren Luftraums und den Einsatz von Drohnen zu sprechen.

Mit dem dritten Symposium fand die Reihe Luftraum Stadt ihren vorläufigen Höhepunkt. Die Kombination aus Fachimpulsen und gelebter Partizipation machte deutlich, wie groß das Bedürfnis nach Mitgestaltung beim städtischen Luftraum ist. Die im Rahmen der drei Abende dokumentierten Ergebnisse, Spannungslinien und Wertehaltungen bilden nun unsere Grundlage, um im weiteren Prozess einen ersten Entwurf für einen gemeinwohlorientierten Luftraum über Berlin zu erarbeiten.

Ziel ist die Veröffentlichung eines Whitepapers, dass durch die über hundert Teilnehmenden aus den drei Symposien begutachtet, kommentiert und weiterentwickelt werden soll. Die stärkere Sensibilisierung Einbindung der Berliner Verwaltung und Politik ist ein weiteres Ziel, dass mit dem Whitepaper untersützt werden soll. Parallel dazu wird Luftraum-Stadt.de weiterentwickelt, um die Gemeinschaft an interessierten Menschen zu vergrößern – mit eigenen Beiträgen, Kommentarfunktionen und der Einbindung eines Beteiligungstool, mit dem potenzielle Drohnen-Flugrouten und -Korridore online, digital und partizipativ angepasst und diskutiert werden können.

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Berlin, den 18.06.2026