Der Einzug von Drohnen in den Stadtraum schreitet voran. Ob effiziente Datengewinnung oder automatisierter Warentransport – immer mehr Behörden und Unternehmen nutzen die Möglichkeiten, die der technische Fortschritt und der rechtliche Rahmen ermöglichen.
Für unser Zusammenleben bringt das Vorteile, aber auch Risiken. Verkehrsfolgen wie Unfälle und Lärm, dubiose Geschäftsmodelle aus der Überwachung öffentlicher Räume oder staatliche Eingriffe in Freiheitsrechte machen der Raum über unseren Köpfen politisch.


Um ein Forum für die Diskussion über diese und andere Themen zu schaffen, startete am 07.05.2026 auf dem Berliner Ernst-Reuter-Platz die Symposiumreihe Luftraum Stadt.
Unter dem Titel Vom Fliegen und Fliehen diskutierten 6 Experten und rund 40 Besucher, woher die Technologie kommt und andererseits, welche Assoziationen wir in Bezug auf Drohnen und den Luftraum in der Stadt haben
In der ersten Session des Abends Vom Fliegen zu Gast waren Hendrik Bödecker von Drone Industry Insights, Matthias Monroy von nD.der Tag und Martina Härtel vom Deutschen Institut für Urbanistik. Moderiert wurde die Runde von Dr. Tobias Biehle, Luftlabor/ TU Berlin.
Vertreten waren damit drei zentrale Perspektiven: auf die wirtschaftlichen Treiber hinter dem Aufbau eines globalen Drohnenmaktes; auf die maßgeblichen Synergien zwischen dem zivilien und militärischen Segment in der Forschung, Entwicklung und Anwendung von Drohnen; sowie auf die zentralen Ort einer zukünftigen Wertschöpfung im zivilen Kontext: urbane Zentren und Ballungsgebiete.


Klar wurde dabei, dass Städte selbst ganz überwiegend nicht die Treiber hinter der Integration von kommerziellen Drohnen in den städtischen Raum sind. Aktuell überwiegen die rechtlichen und planerischen Herausforderungen den noch unklaren Mehrwerten für den Wirtschaftsstandort. Die Entwicklung sei jedoch vor allem durch nationale Rahmengebung in Gang, so Martina Härtel.
Klarer seien die Potenziale der Technologie für bessere und günstigere öffentliche Dienstleistungen bzw. Aufgaben im Bereich Infrastrukturüberwachung u.a.
Klar wurde auch, dass sich der Fokus zahlreicher Unternehmen am Markt wandelt bzw. gewandelt hat: Durch die Omnipräsenz von Drohnen in aktuellen Kriegen, die Möglichkeit des „Proof of Concept“ der eigenen Produkte im militärischen Einsatz, und die große Nachfrage durch die öffentliche Beschaffung, haben sich auch der Fokus vieler Unternehmen von zivilen auf militärische Drohnen und Drohnenanwendungen verlagert.
Investitionen in den Sektor seien auf einem Rekordniveau, so Hendrik Bödecker. Was das mittel- und langfristig für den Einsatz von Drohnen in Städten bedeutet, sei noch nicht absehbar.


Die zweite Session des Abends Vom Fliehen behandelte kulturelle, künstlerische und soziologische Wahrnehmungen, Zuschreibungen und Verarbeitungen von Drohnen und einer urbanen Luftraumnutzung.
Zu Gast waren Dr. Maximilian Jablonowski, u.a. Autor des Buches „Imagine Drones“; Prof. Dr. Svea Bräunert, Expertin für Medientechnologien und Popkultur; sowie der Verkehrshistoriker und „ELEVATE“ Nachwuchsgruppenleiter Dr. Robin Kellermann. Moderiert wurde das Panel von Simon Wöhr, Urban Tactics/ TU Berlin.
Was deutlich wurde: Das Sehnsuchtsgefühl nach der grenzenlosen Freiheit von Vögel, ist wohl so alt wie die Menschheit. Das Technikinnovation ein zentrales Vehikel ist, diesem Gefühl näher zu kommen, machen nicht zuletzt Bilder wie jene von Albert Robida aus dem Jahr 1900 deutlich, so Robin Kellermann. Für ihn ist genau auch diese Sehnsucht ein Grund dafür, dass beispielsweise Flugtaxis für den Personentransport auf größere Faszination stoßen als beispielsweise Lieferdrohnen, wenngleich ihre praktische Relevanz wohl genau anders herum gelagert sei.
Die Verarbeitungen dieser Visionen prägen nicht zuletzt unsere heutige Kultur und Vorstellung von der Zukunft. So seien Utopien bzw. Dystopien von vertikalen Städten ein wiederkehrendes Element in der modernen Literatur, Kunst und Filmgeschichte. Darin fliegten jedoch stets auch Wertevorstellungen mit, so Herr Maximiliam Jablonowski, beispielsweise jene von „oben und unten“ oder von „mächtig und machtlos“. Andersherum kann „fliegen“ oder „fliegen lassen“ auch eine Form der Ermächtigung sein, wie beispielsweise Teiles dieses 2014er Musikvideo von M.I.A. interpretiert werden kann.


Das Allmachtsgefühl, tatsächlich von oben herab zu Blicken, wurde in der Zeit des ersten Weltkrieg durch die Ballonfahrt Realität, erklärte Frau Svea Bräunert einen zentralen Meilenstein in der Geschichte der (unbemannten) Luftfahrt. Inzwischen erweitern hochmobile Drohnen den Raum für ein verändertes Erleben und Wahrnehmen radikalst.
Doch was passiert, wenn wir nicht mehr von Auge zu Auge blicken, sondern uns immer öfter als kleine Punkte aus der Perspektive einer hoch-fliegenden Kamera selbst beobachten? Inwieweit ist „Maschine Vision“, also die digitale Erfassung und Verarbeitung von von uns und unserer Umwelt als Daten ein Abbild unserer Realität am Boden?
Aus Sicht der Veranstalter war der Auftakt von Luftraum Stadt ein Erfolg, was Inhalte, Diskussionskultur und öffentliches Interesse betraf. Das Ziel, vor allem Menschen zu versammeln, die mit dem Thema Drohne noch wenig oder keinen Kontakt hatten, konnte nur Teilweise erreicht werden. Circa die Hälfte der Zuhörerinnen und Zuhörer waren mehr oder weniger „vom Fach“.
Die Abschlussdiskussion machte jedoch deutlich, dass jede und jeder Anwesende einen spannenden Punkt, eine wichtige Perspektive einbringen, mitgeben und für den weiteren Prozess dokumentieren wollte. Für eine qualifizierte Debatte über die zukünftige Nutzung des städtischen Luftraums ist dies wesentlich und ein erster, guter Schritt. Fortsetzung folgt.
Berlin, den 11.05.2026

Für die Anmeldung zu den kommenden Veranstaltungen am 04. Juni und am 18. Juni nutzen Sie bitte den Link über den Drittanbieter Eventbrite: https://www.eventbrite.de/o/121232153996